Peer Döhnert (AfD) und der Steglitzer Kreisel: Verharmlost er die Lage – während die eigene Partei Zweifel anmeldet?

BVV-Rede vom 18.02.2026 im Faktencheck

Die Debatte um den Steglitzer Kreisel geht weiter – und rückt nun auch Peer Döhnert (AfD) in den Fokus.

In der BVV-Sitzung vom 18.02.2026 vertrat der Bezirksverordnete eine klare Position:

  • Kein Täuschungsprojekt.
  • Normales Immobiliengeschäft.
  • Politische Zurückhaltung statt Eingriffe.

Doch genau diese Einschätzung wirft Fragen auf.

Die Position von Peer Döhnert: Wirtschaft vor Kritik

In seiner Rede stellte Döhnert den Steglitzer Kreisel vor allem als wirtschaftlichen Vorgang dar:

  • Kauf, Entwicklung und Weiterverkauf seien branchenüblich
  • die Suche nach Investoren sei ein normaler Prozess
  • Käufer würden bewusst Risiken eingehen
  • politische Kritik könne Investoren abschrecken

Kern seiner Argumentation: Der Markt regelt – Politik sollte sich zurückhalten.

Die zentrale Aussage: „Kein Täuschungsprojekt“

Besonders deutlich wurde Döhnert bei einem Punkt:

Der Steglitzer Kreisel sei kein Täuschungsprojekt.

Diese Bewertung steht im Mittelpunkt der Kritik. Denn sie betrifft die entscheidende Frage:

Handelt es sich um ein gescheitertes Projekt – oder steckt mehr dahinter?

Der Widerspruch: Dokumentierte Realität vs. politische Einschätzung

Die Faktenlage der vergangenen Jahre zeigt:

  • jahrelanger Stillstand auf der Baustelle
  • fehlender sichtbarer Baufortschritt seit 2020
  • Verzögerungen trotz vertraglicher Verpflichtungen

Vor diesem Hintergrund wirkt die Einordnung als „branchenüblich“ zumindest erklärungsbedürftig.

Brisant: Zweifel aus der eigenen Partei

Besonders bemerkenswert ist ein Punkt, der über die BVV hinausgeht:

Selbst innerhalb der AfD gibt es erhebliche Zweifel am Projekt.

Die mittlerweile 13. Schriftliche Anfrage von Dr. Kristin Brinker (AfD) vom 23.10.2025 zeigt:

  • Zweifel am tatsächlichen Baufortschritt
  • Fragen zur realen Projektumsetzung
  • Unsicherheit, ob die Wohnungen überhaupt entstehen

In der Anfrage wird ausdrücklich thematisiert:

  • der fehlende Baufortschritt seit März 2020
  • mögliche Diskrepanzen zwischen Investitionen und Realität
  • die Frage, ob minimale Tätigkeiten als Fortschritt dargestellt werden

Das steht im klaren Spannungsverhältnis zu Döhnerts Bewertung.


Doehnert


Doehnert

Schriftliche Anfrage zum Thema Adler Group und der Steglitzer Kreisel Teil XIII:
https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-24201.pdf

Auch der Senat bestätigt Probleme

In der Antwort auf die Anfrage wird deutlich:

Der Bauherr hat seine Verpflichtung zur Fertigstellung bis Mitte 2022 nicht erfüllt.

Konsequenz: Eine Vertragsstrafe in Höhe von 1 Million Euro.

Weitere Belastungsfaktoren: Ermittlungen gegen die Adler Group

Hinzu kommt:

Im Sommer 2023 kam es zu einer groß angelegten Razzia gegen die Adler Group

  • Durchsuchungen von Büros und Wohnungen
  • auch in Berlin
  • Vorwürfe u. a. wegen Untreue, Bilanzdelikten und Marktmanipulation

Auch dieser Komplex war Gegenstand parlamentarischer Anfragen.

Die zentrale Kritik: Zu einseitige Perspektive?

Vor diesem Hintergrund stellt sich eine entscheidende Frage:

Greift eine rein wirtschaftliche Betrachtung zu kurz?

Der Steglitzer Kreisel betrifft:

  • über 300 Wohnungen
  • zahlreiche Käuferrechte
  • das Stadtbild eines ganzen Ortsteils

Ein gewöhnliches Projekt ist das nicht.

Warum Döhnerts Bewertung überprüft werden muss

Die vorliegenden Fakten zeigen:

  • erhebliche Verzögerungen
  • rechtliche Auseinandersetzungen
  • politische und parlamentarische Zweifel

Daher stellt sich die Frage:

Reicht es aus, den Fall als „branchenüblich“ einzuordnen – oder bedarf diese Einschätzung einer genaueren Prüfung?

Fazit: Eine Position unter Druck

Die Rede von Peer Döhnert steht für eine klare Linie:

1.   Marktvertrauen statt Eingriff
2.   Zurückhaltung statt Regulierung

Doch die Realität des Steglitzer Kreisels zeigt ein komplexeres Bild:

  • rechtliche Konflikte
  • politische Spannungen
  • wirtschaftliche Unsicherheiten

Und selbst innerhalb der eigenen Partei wachsen die Zweifel.

Die zentrale Frage bleibt

Warum wird ein Projekt mit so vielen offenen Fragen als „unproblematisch“ bewertet?

Und: Wie belastbar ist diese Einschätzung – angesichts der bekannten Fakten?

Wer trägt politische Verantwortung? Diese Entscheidungsträger sind eingebunden

Der Fall Steglitzer Kreisel liegt längst auf den Tischen von Politik und Verwaltung.

In den aktuellen Prozess rund um das Bauprojekt und die Rolle der Adler Group sind folgende Mitglieder des Bezirksamts sowie Mandatsträgerinnen und Mandatsträger auf Bezirks- und Landesebene eingebunden (alphabetische Reihenfolge):

  • Dr. Kristin Brinker (AfD)
  • Peer Döhnert (AfD)
  • Dr. Dennis Egginger-Gonzalez (Linke)
  • Elif Eralp (Linke)
  • Torsten Hippe (CDU)
  • Alexander Kräß (Grüne)
  • Carolyn Macmillan (SPD)
  • Katrin Schmidberger (Grüne)
  • Patrick Steinhoff (CDU)

Sie alle sind informiert – und stehen politisch in der Verantwortung.

FAQ: Peer Döhnert, AfD und Steglitzer Kreisel

Wer ist Peer Döhnert?
Peer Döhnert ist Bezirksverordneter der AfD in Steglitz-Zehlendorf.

Welche Position hat er zum Steglitzer Kreisel vertreten?
Er sieht das Projekt als normales Immobiliengeschäft und betont, dass es sich nicht um ein Täuschungsprojekt handelt.

Warum wird seine Einschätzung kritisiert?
Weil sie im Widerspruch zu dokumentierten Verzögerungen, gerichtlichen Auseinandersetzungen und politischen Zweifeln steht.

Was zeigt die Anfrage von Dr. Kristin Brinker?
Die Anfrage thematisiert fehlenden Baufortschritt, mögliche Diskrepanzen bei Investitionen und Zweifel an der tatsächlichen Projektumsetzung.

Gibt es Kritik aus der AfD selbst?
Ja. Die parlamentarische Anfrage von Dr. Kristin Brinker zeigt, dass auch innerhalb der AfD Fragen und Zweifel bestehen.

Welche Rolle spielt der Senat in diesem Zusammenhang?
Der Senat bestätigt, dass Fertigstellungsfristen nicht eingehalten wurden und eine Vertragsstrafe verhängt wurde.

Warum ist der Fall Steglitzer Kreisel politisch relevant?
Weil er Fragen zur Durchsetzung von Verträgen, zur Rolle der Politik und zum Umgang mit großen Immobilienprojekten aufwirft.

Was ist der zentrale Kritikpunkt an Döhnerts Position?
Dass sie stark wirtschaftlich geprägt ist und zentrale rechtliche und tatsächliche Probleme möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt.

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